Abiturzeugnisübergabe

Liebe Abiturientinnen und Abiturienten,
liebe Lehrerinnen und Lehrer,
liebe Eltern, sehr geehrte Schulleitung.
Als wir erfuhren, dass es an uns liegt, heute hier oben zu stehen und die Rede zu halten, sind wir mit der gleichen Sorgfalt und Hingabe an diese Aufgabe herangetreten wie an all unsere Schularbeiten.
Wir haben also gestern Abend angefangen.

Aber natürlich lernten wir nicht nur die Kunst des Improvisierens, sondern unter anderem auch die Vektorrechnung, vergleichende Gedichtinterpretation und das Übersetzen fremder Sprachen.
Bevor wir darüber sprechen, wie die Schule in den letzten Monaten unser Leben bestimmte, möchten wir uns an den Anfang zurückerinnern.
Wir starteten als kleine 6- und 7-Jährige Knirpse mit Zuckertüten in der Hand und enorm stolz auf unsere neuen Schulranzen, die meist viel zu groß für uns waren. Während die Eltern versuchten, uns die kommende Zeit schmackhaft zu machen, wussten es ältere Geschwister schon besser. Insgeheim waren sie es also, die uns auf den Ernst der Lage vorbereiteten.
Am Anfang war wirklich noch alles Zuckerschlecken – wir malten Bilder aus, sangen Lieder und lernten die Himmelsrichtungen kennen. Die Grundschule war wie gemeinsame Freizeit mit den Freunden, immer mal unterbrochen von sowas Nervigem wie Mathe oder Deutsch. Gerade fühlte man sich noch wie der Grundschul-Goliath, gehörte zu den Ältesten und zu den Größten – zumindest einige von uns. Doch schon bald kam der Umschwung und als kleine Fünftklässler fanden wir uns erneut am Ende der Nahrungskette wieder. Wie kleine Raupen, die noch einen sehr weiten Weg vor sich haben. Denn bevor sie das Schmetterlingsdasein genießen können, müssen sie sich in einem Kokon verpuppen. Mit einer Mischung aus Anspannung, Freude, Neugier, aber auch Ungewissheit blickten wir auf unsere Zukunft im Kokon, der sich auch Gymnasium nennt.
Mit Respekt und Ehrfurcht blickten wir damals noch zu den älteren Jahrgängen auf. Doch uns kommt es mittlerweile so vor, als ob sich diese Einstellung bei den neuen Schülern geändert hätte. Man hat das Gefühl massiv zu altern, wenn man sich über das Benehmen der jüngeren Generation aufregt. Aber das zeigt wohl nur, dass wir nicht nur körperlich, sondern auch geistig in unserer Schulzeit gewachsen sind.
Doch davon ahnten wir zu dieser Zeit noch nichts. Für uns verwandelte sich die Schule erst einmal vom Treffpunkt mit Freunden in den „Arbeitsplatz eines Heranwachsenden“. Plötzlich mussten wir auch Zuhause büffeln und Berge an Hausaufgaben bearbeiten. Schule wurde immer anstrengender und langsam konnten wir die negativen Ansichtsweisen unserer älteren Geschwister nachvollziehen.

Emi:
Irgendwann haben selbst unsere Eltern aufgehört, die Schule anzupreisen. Stattdessen wurde bedauert, dass wir wunderschöne Nachmittage mit Hausaufgaben und Lernen verbringen mussten und auch bei über 30°C nie die Erfahrung hitzefreier Tage machen durften. Naja, zumindest hätten wir uns etwas Mitleid dafür gewünscht, aber um ehrlich zu sein, bekamen wir oft nur zu hören: “Da mussten wir auch mal durch!”. Also haben wir Vorträge, Hausarbeiten und Plakate angefertigt und dabei vor allem eins gelernt: Wir Schüler sind den Lehrern im Umgang mit neuen Medien schon jetzt meilenweit voraus. Das war jedoch leider auch schon der einzige Lichtblick, denn was direkte Proportionalität bedeutet, bekamen wir zu spüren, als mit den höher werdenden Ansprüchen auch immer länger werdende Nächte einhergingen. An dieser Stelle würde ich gern ein uns heilig gewordenes Heißgetränk würdigen – den Kaffee!
Doch nicht nur die nächtlichen Koffeinbomben haben unser Heranwachsen geprägt – auch die Lehrer haben ihren Teil dazu beigetragen.
Laut Wikipedia – der wohl beliebtesten Internetseite der Schülerschaft – sind Sie die Personen, die uns auf einem Gebiet weiterbilden, auf dem Sie einen besonderen Vorsprung an Können, Wissen oder Erfahrung haben. Dabei waren die meisten tatsächlich erfolgreich, denn Sie vermittelten uns Wissen, welches wir nicht missen wollen. Wir wurden allerdings nicht nur fachlich, sondern auch menschlich weitergebildet. Uns wurden wichtige Erfahrungen und Erlebnisse aus dem Leben unserer Lehrer zu Teil, welche uns zukünftig vermutlich mehr nützen werden als ein Großteil der Inhalte des Lehrplans. Sie haben uns also besten Gewissens auf das Leben nach der Schulzeit vorbereitet.
Neben den amüsanten Geschichten der Lehrer, die die pure Unterrichtszeit glücklicherweise um ein paar Minuten verkürzten, sind die wohl schönsten Erinnerungen unserer Schulzeit die Klassenfahrten. Begonnen hat alles mit der Kennenlernfahrt nach Dreiskau-Muckern, welche wir nutzten, um erste Freundschaften zu knüpfen. Bei Einigen entwickelte sich durch Herrn Solingers Pflanzenkunde das Interesse an der Natur, Andere wiederum nutzten die Zeit für sportliche Aktivitäten, wie zum Beispiel Tischtennis oder Fußball. Am Abend brachte uns das gemeinsame Essen von Stockbrot am Lagerfeuer einander noch ein bisschen näher.
Doch schon bald wurden unsere mittlerweile vertrauten Klasseneinheiten aufgrund der Aufteilung nach Fremdsprachen auseinandergerissen, weshalb wir in der 6. Klasse nach Naumburg fuhren, um uns ein zweites Mal im Klassenverband näher kennenzulernen. Dort besuchten wir den Dom, den Kletterpark und das Schwimmbad, wobei natürlich die zwei letzteren Unternehmungen wesentlich beliebter waren.
Bereits ein Jahr später waren nun unsere Fremdsprachenkenntnisse gefragt. So konnten in Belgien das frisch erlernte Französisch geübt oder aber in England die Sprachkenntnisse verfeinert werden. Egal, wohin es auch ging, die Erlebnisse und Kulturen waren überaus interessant und haben den eigenen Horizont erweitert.

Der nächste Höhepunkt unserer Schulzeit war das Skilager in der 9. Klasse. Wir heizten oder stürzten in kleinen Gruppen die Pisten hinab – das war abhängig vom Können. Doch auch trotz einiger Unfälle kamen wir am Ende alle lebendig zurück, was schon bemerkenswert ist, denn schließlich wollte sich so mancher beim Rodeln direkt mal mit einem Baum anlegen.

Das absolute Highlight der Mittelstufe war allerdings unsere Abschlussfahrt, bei der es die Klassen a, b und c an die polnische Ostsee und die d in die sächsische Schweiz verschlug. Die erste Gruppe genoss trotz der ziemlich schäbigen Absteige die Reise in vollen Zügen. Wir erfreuten uns an der strahlenden Sonne und dem klaren Meer, fanden uns alle in der Pizzeria oder im Kiosk wieder und manche betätigten sich früh am Morgen mit Herrn Bodenhausen und Herrn Uhlich am Strand – mehr oder minder freiwillig. Die Besucher der sächsischen Schweiz hingegen übten sich im Wandern und Bobby Car fahren. Trotz ihrer unbändigen Energie waren sie keinesfalls in der Lage, das Ehepaar Zernia im Schlauchbootrennen auf der Elbe zu besiegen.
Die noch verpuppten Schmetterlingsraupen, die sich nach seichter Luftbewegung in der Sekundarstufe 1 auf den Wirbelsturm der Oberstufe einließen, wurden im letzten Entwicklungsstadium mit zwei weiteren aufregenden Reisen belohnt – der London- und Berlinfahrt. Das Gebiet der Teetrinker war reich an Sehenswürdigkeiten, wie dem Greenwich Observatory oder dem Globe Theatre. Des Weiteren befassten wir uns mit Street-Art und begaben uns auf die gesellschaftskritischen Spuren von Banksy und co. In Berlin hingegen wurde die politische Bildung großgeschrieben. So hielten wir als Bundestagsabgeordnete eine Plenarsitzung ab, wobei einige ihr politisches Potenzial offenbaren oder ihre schauspielerischen Fähigkeiten präsentieren konnten.
All diese gemeinsamen Ausflüge haben uns zusammengeschweißt und aus unserer kleinen Welt, dem Schulkokon, herausgeholt. Wir lernten neue Situationen, Umgebungen, Menschen und Gebräuche kennen und erfuhren dabei nicht nur viel über unsere Klassenkameraden, sondern auch über uns selbst. Die Klassenfahrten sorgten für eine Realitätsnähe, die der normale Unterricht leider niemals bieten konnte, was sie zu den schönsten Erlebnissen in unserer Verpuppung machte.

Corvin:
Trotz der zahlreichen Veränderungen, fühlen wir uns noch immer wie zu Beginn unserer Kokonetappe. Mit einer Mischung aus Anspannung, Freude, Neugier, aber auch Ungewissheit blicken wir heute jedoch nicht in die Zukunft als Gymnasiasten, sondern auf unser Leben als geschlüpfte Falter.
Denn mit dem Abschluss des Abiturs beginnt unsere Reise als Schmetterling. Wir werden in die Welt entlassen und können viele neue Erfahrungen sammeln. Einige verschlägt es erst einmal für ein Jahr ans andere Ende der Welt. Viele von uns bleiben hier und wollen in der Nähe, auf ihnen bekannten Wiesen und Feldern, ihr Glück finden.
Aber egal, auf welchen Weg wir uns demnächst begeben und welchen Blütennektar wir als Basis unseres Lebens wählen – wir werden als neue Generation diese Welt beeinflussen. Möglicherweise entspringt aus unseren Reihen die nächste Bundeskanzlerin oder der nächste Bundeskanzler. Vielleicht jemand, der den Nobelpreis gewinnt oder ein revolutionärer Geist, der mit einem Start-Up das bisher Etablierte auf den Kopf stellt – wir wissen es noch nicht.
Also sichern Sie sich am besten noch von jedem Abiturienten ein Autogramm. Wir haben eine Menge an vielversprechenden Kandidaten zu bieten, die die Welt verändern könnten. Doch egal, was in Zukunft kommen mag, ob uns Aliens ausrotten oder wir den Mars besiedeln, völlig egal. Denn heute haben wir den Grundstein für uns als neue Generation gelegt. Wer soll diese Welt verändern, wenn nicht wir?!

Doch soweit wären wir ohne unsere Lehrer und ohne unsere Familien, unsere wohl größten Unterstützer, nie gekommen. Dafür möchten wir Ihnen allen ganz herzlich danken. Der Umgang mit uns war bestimmt nicht immer einfach und doch haben Sie ihr Bestes gegeben, um uns zu unterstützen und im Grunde auch diese jungen Menschen zu erschaffen, die heute vor Ihnen stehen.
Vielen Dank!!!

Emily Müller & Corvin Pohle

LVZ Artikel

PS: Es seien ein paar fotografische Impressionen der Zeugnisübergabe angefügt. Liebe Absolventen, bitte seid nicht böse, dass nicht alle zu sehen sind. Mir ging es nicht um dokumentarische Vollständigkeit, denn das war Sache des Fotohauses Bautzmann. Ich habe versucht die Atmosphäre zu erfassen, eure Freude, den Stolz eurer Eltern und die Wehmut, die uns Lehrer beschlich.

Freilich habe ich wesentlich mehr Fotos geschossen; hier seien nur die „schönsten“ veröffentlicht. Falls ihr Interesse an weiteren Fotos haben solltet oder die Fotos für euch selbst in höherer Auflösung benötigt, dann meldet euch bitte einfach bei H. Peltzer.

Feierliche Abiturzeugnisübergabe

Liebe Abiturientinnen und Abiturienten,
liebe Lehrerinnen und Lehrer,
liebe Eltern, sehr geehrte Schulleitung.
Als wir erfuhren, dass es an uns liegt, heute hier oben zu stehen und die Rede zu halten, sind wir mit der gleichen Sorgfalt und Hingabe an diese Aufgabe herangetreten wie an all unsere Schularbeiten.
Wir haben also gestern Abend angefangen.

Aber natürlich lernten wir nicht nur die Kunst des Improvisierens, sondern unter anderem auch die Vektorrechnung, vergleichende Gedichtinterpretation und das Übersetzen fremder Sprachen.
Bevor wir darüber sprechen, wie die Schule in den letzten Monaten unser Leben bestimmte, möchten wir uns an den Anfang zurückerinnern.
Wir starteten als kleine 6- und 7-Jährige Knirpse mit Zuckertüten in der Hand und enorm stolz auf unsere neuen Schulranzen, die meist viel zu groß für uns waren. Während die Eltern versuchten, uns die kommende Zeit schmackhaft zu machen, wussten es ältere Geschwister schon besser. Insgeheim waren sie es also, die uns auf den Ernst der Lage vorbereiteten.
Am Anfang war wirklich noch alles Zuckerschlecken – wir malten Bilder aus, sangen Lieder und lernten die Himmelsrichtungen kennen. Die Grundschule war wie gemeinsame Freizeit mit den Freunden, immer mal unterbrochen von sowas Nervigem wie Mathe oder Deutsch. Gerade fühlte man sich noch wie der Grundschul-Goliath, gehörte zu den Ältesten und zu den Größten – zumindest einige von uns. Doch schon bald kam der Umschwung und als kleine Fünftklässler fanden wir uns erneut am Ende der Nahrungskette wieder. Wie kleine Raupen, die noch einen sehr weiten Weg vor sich haben. Denn bevor sie das Schmetterlingsdasein genießen können, müssen sie sich in einem Kokon verpuppen. Mit einer Mischung aus Anspannung, Freude, Neugier, aber auch Ungewissheit blickten wir auf unsere Zukunft im Kokon, der sich auch Gymnasium nennt.
Mit Respekt und Ehrfurcht blickten wir damals noch zu den älteren Jahrgängen auf. Doch uns kommt es mittlerweile so vor, als ob sich diese Einstellung bei den neuen Schülern geändert hätte. Man hat das Gefühl massiv zu altern, wenn man sich über das Benehmen der jüngeren Generation aufregt. Aber das zeigt wohl nur, dass wir nicht nur körperlich, sondern auch geistig in unserer Schulzeit gewachsen sind.
Doch davon ahnten wir zu dieser Zeit noch nichts. Für uns verwandelte sich die Schule erst einmal vom Treffpunkt mit Freunden in den „Arbeitsplatz eines Heranwachsenden“. Plötzlich mussten wir auch Zuhause büffeln und Berge an Hausaufgaben bearbeiten. Schule wurde immer anstrengender und langsam konnten wir die negativen Ansichtsweisen unserer älteren Geschwister nachvollziehen.

Emi:
Irgendwann haben selbst unsere Eltern aufgehört, die Schule anzupreisen. Stattdessen wurde bedauert, dass wir wunderschöne Nachmittage mit Hausaufgaben und Lernen verbringen mussten und auch bei über 30°C nie die Erfahrung hitzefreier Tage machen durften. Naja, zumindest hätten wir uns etwas Mitleid dafür gewünscht, aber um ehrlich zu sein, bekamen wir oft nur zu hören: “Da mussten wir auch mal durch!”. Also haben wir Vorträge, Hausarbeiten und Plakate angefertigt und dabei vor allem eins gelernt: Wir Schüler sind den Lehrern im Umgang mit neuen Medien schon jetzt meilenweit voraus. Das war jedoch leider auch schon der einzige Lichtblick, denn was direkte Proportionalität bedeutet, bekamen wir zu spüren, als mit den höher werdenden Ansprüchen auch immer länger werdende Nächte einhergingen. An dieser Stelle würde ich gern ein uns heilig gewordenes Heißgetränk würdigen – den Kaffee!
Doch nicht nur die nächtlichen Koffeinbomben haben unser Heranwachsen geprägt – auch die Lehrer haben ihren Teil dazu beigetragen.
Laut Wikipedia – der wohl beliebtesten Internetseite der Schülerschaft – sind Sie die Personen, die uns auf einem Gebiet weiterbilden, auf dem Sie einen besonderen Vorsprung an Können, Wissen oder Erfahrung haben. Dabei waren die meisten tatsächlich erfolgreich, denn Sie vermittelten uns Wissen, welches wir nicht missen wollen. Wir wurden allerdings nicht nur fachlich, sondern auch menschlich weitergebildet. Uns wurden wichtige Erfahrungen und Erlebnisse aus dem Leben unserer Lehrer zu Teil, welche uns zukünftig vermutlich mehr nützen werden als ein Großteil der Inhalte des Lehrplans. Sie haben uns also besten Gewissens auf das Leben nach der Schulzeit vorbereitet.
Neben den amüsanten Geschichten der Lehrer, die die pure Unterrichtszeit glücklicherweise um ein paar Minuten verkürzten, sind die wohl schönsten Erinnerungen unserer Schulzeit die Klassenfahrten. Begonnen hat alles mit der Kennenlernfahrt nach Dreiskau-Muckern, welche wir nutzten, um erste Freundschaften zu knüpfen. Bei Einigen entwickelte sich durch Herrn Solingers Pflanzenkunde das Interesse an der Natur, Andere wiederum nutzten die Zeit für sportliche Aktivitäten, wie zum Beispiel Tischtennis oder Fußball. Am Abend brachte uns das gemeinsame Essen von Stockbrot am Lagerfeuer einander noch ein bisschen näher.
Doch schon bald wurden unsere mittlerweile vertrauten Klasseneinheiten aufgrund der Aufteilung nach Fremdsprachen auseinandergerissen, weshalb wir in der 6. Klasse nach Naumburg fuhren, um uns ein zweites Mal im Klassenverband näher kennenzulernen. Dort besuchten wir den Dom, den Kletterpark und das Schwimmbad, wobei natürlich die zwei letzteren Unternehmungen wesentlich beliebter waren.
Bereits ein Jahr später waren nun unsere Fremdsprachenkenntnisse gefragt. So konnten in Belgien das frisch erlernte Französisch geübt oder aber in England die Sprachkenntnisse verfeinert werden. Egal, wohin es auch ging, die Erlebnisse und Kulturen waren überaus interessant und haben den eigenen Horizont erweitert.

Der nächste Höhepunkt unserer Schulzeit war das Skilager in der 9. Klasse. Wir heizten oder stürzten in kleinen Gruppen die Pisten hinab – das war abhängig vom Können. Doch auch trotz einiger Unfälle kamen wir am Ende alle lebendig zurück, was schon bemerkenswert ist, denn schließlich wollte sich so mancher beim Rodeln direkt mal mit einem Baum anlegen.

Das absolute Highlight der Mittelstufe war allerdings unsere Abschlussfahrt, bei der es die Klassen a, b und c an die polnische Ostsee und die d in die sächsische Schweiz verschlug. Die erste Gruppe genoss trotz der ziemlich schäbigen Absteige die Reise in vollen Zügen. Wir erfreuten uns an der strahlenden Sonne und dem klaren Meer, fanden uns alle in der Pizzeria oder im Kiosk wieder und manche betätigten sich früh am Morgen mit Herrn Bodenhausen und Herrn Uhlich am Strand – mehr oder minder freiwillig. Die Besucher der sächsischen Schweiz hingegen übten sich im Wandern und Bobby Car fahren. Trotz ihrer unbändigen Energie waren sie keinesfalls in der Lage, das Ehepaar Zernia im Schlauchbootrennen auf der Elbe zu besiegen.
Die noch verpuppten Schmetterlingsraupen, die sich nach seichter Luftbewegung in der Sekundarstufe 1 auf den Wirbelsturm der Oberstufe einließen, wurden im letzten Entwicklungsstadium mit zwei weiteren aufregenden Reisen belohnt – der London- und Berlinfahrt. Das Gebiet der Teetrinker war reich an Sehenswürdigkeiten, wie dem Greenwich Observatory oder dem Globe Theatre. Des Weiteren befassten wir uns mit Street-Art und begaben uns auf die gesellschaftskritischen Spuren von Banksy und co. In Berlin hingegen wurde die politische Bildung großgeschrieben. So hielten wir als Bundestagsabgeordnete eine Plenarsitzung ab, wobei einige ihr politisches Potenzial offenbaren oder ihre schauspielerischen Fähigkeiten präsentieren konnten.
All diese gemeinsamen Ausflüge haben uns zusammengeschweißt und aus unserer kleinen Welt, dem Schulkokon, herausgeholt. Wir lernten neue Situationen, Umgebungen, Menschen und Gebräuche kennen und erfuhren dabei nicht nur viel über unsere Klassenkameraden, sondern auch über uns selbst. Die Klassenfahrten sorgten für eine Realitätsnähe, die der normale Unterricht leider niemals bieten konnte, was sie zu den schönsten Erlebnissen in unserer Verpuppung machte.

Corvin:
Trotz der zahlreichen Veränderungen, fühlen wir uns noch immer wie zu Beginn unserer Kokonetappe. Mit einer Mischung aus Anspannung, Freude, Neugier, aber auch Ungewissheit blicken wir heute jedoch nicht in die Zukunft als Gymnasiasten, sondern auf unser Leben als geschlüpfte Falter.
Denn mit dem Abschluss des Abiturs beginnt unsere Reise als Schmetterling. Wir werden in die Welt entlassen und können viele neue Erfahrungen sammeln. Einige verschlägt es erst einmal für ein Jahr ans andere Ende der Welt. Viele von uns bleiben hier und wollen in der Nähe, auf ihnen bekannten Wiesen und Feldern, ihr Glück finden.
Aber egal, auf welchen Weg wir uns demnächst begeben und welchen Blütennektar wir als Basis unseres Lebens wählen – wir werden als neue Generation diese Welt beeinflussen. Möglicherweise entspringt aus unseren Reihen die nächste Bundeskanzlerin oder der nächste Bundeskanzler. Vielleicht jemand, der den Nobelpreis gewinnt oder ein revolutionärer Geist, der mit einem Start-Up das bisher Etablierte auf den Kopf stellt – wir wissen es noch nicht.
Also sichern Sie sich am besten noch von jedem Abiturienten ein Autogramm. Wir haben eine Menge an vielversprechenden Kandidaten zu bieten, die die Welt verändern könnten. Doch egal, was in Zukunft kommen mag, ob uns Aliens ausrotten oder wir den Mars besiedeln, völlig egal. Denn heute haben wir den Grundstein für uns als neue Generation gelegt. Wer soll diese Welt verändern, wenn nicht wir?!

Doch soweit wären wir ohne unsere Lehrer und ohne unsere Familien, unsere wohl größten Unterstützer, nie gekommen. Dafür möchten wir Ihnen allen ganz herzlich danken. Der Umgang mit uns war bestimmt nicht immer einfach und doch haben Sie ihr Bestes gegeben, um uns zu unterstützen und im Grunde auch diese jungen Menschen zu erschaffen, die heute vor Ihnen stehen.
Vielen Dank!!!

LVZ Artikel

PS: Es seien ein paar fotografische Impressionen der Zeugnisübergabe angefügt. Liebe Absolventen, bitte seid nicht böse, dass nicht alle zu sehen sind. Mir ging es nicht um dokumentarische Vollständigkeit, denn das war Sache des Fotohauses Bautzmann. Ich habe versucht die Atmosphäre zu erfassen, eure Freude, den Stolz eurer Eltern und die Wehmut, die uns Lehrer beschlich.

Freilich habe ich wesentlich mehr Fotos geschossen; hier seien nur die „schönsten“ veröffentlicht. Falls ihr Interesse an weiteren Fotos haben solltet oder die Fotos für euch selbst in höherer Auflösung benötigt, dann meldet euch bitte einfach bei H. Peltzer.

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